Den Haag, 18. April 2017

Rechtsgutachten des Internationalen Monsanto Tribunals


Nachdem im Oktober 2016 Zeugen aus aller Welt zu verschiedenen Anklagepunkten gegen den Agrar-Riesen Monsanto angehört worden waren, verlasen die renommierten internationalen Richter am Dienstag, 18. April 2017, im Internationalen Pressezentrum in Den Haag ihr Urteil. Lehmann Natur als einer der Haupt-Sponsoren des Tribunals war mit vor Ort. Ein Bericht von Ina Hiester.

Keine dramatischen Szenen, keine empörten Aufschreie, kein Abführen des Verurteilten unter Blitzlichtgewitter. Wie schon bei der Zeugenvernehmung im Oktober 2016 glänzten die Vertreter von Monsanto bei der Verkündung des Rechtsgutachtens am 18. April 2017 wieder nur mit Abwesenheit. Dramatisch ist das Fazit der Richter dennoch: Monsantos Geschäftspraktiken verletzen das Recht auf eine gesunde Umwelt, das Recht auf Nahrung, das Recht auf Gesundheit und die zu wissenschaftlicher Forschung unerlässliche Freiheit. Das Tribunal empfiehlt zudem, schwerwiegende Verletzungen und Zerstörungen an der Umwelt als „Ökozid“ im Völkerrecht zu verankern.

Das Internationale Monsanto Tribunal wurde von einer zivilgesellschaftlichen Initiative als „außerordentliches Meinungsgericht“ ins Leben gerufen und hat damit zunächst keine rechtlichen Konsequenzen. Und doch ist es mehr als nur Show. Es hat nicht nur die weltweite Aufmerksamkeit auf die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden der industriellen Landwirtschaft und ihrer Global Player gelenkt und Zeugen eine Stimme verliehen, die sonst vielleicht nie gehört würden. Es stellt auch eine Art rechtliches Nachschlage- und Referenzwerk für all diejenigen dar, die diesem Beispiel folgen und sich tatsächlich gegen Konzerne wie Monsanto zur Wehr setzen möchten. Damit dies gelingt, müssen die Opfer der industriellen Landwirtschaft und die Bio-Produzenten weltweit ihre Kräfte bündeln, um in Rechtsstreits gegen Monsanto und Co. bestehen können. Zur Finanzierung solcher Prozesse möchten die Organisatoren des Tribunals auch weiterhin Spenden sammeln. Monsanto hat weltweit ¼ Million Mitarbeiter und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von knapp 135 Mrd. US-Dollar. Die Erwerbsgrundlage eines Kleinbauern im südlichen Afrika oder in Südostasien beträgt durchschnittlich 2 Hektar Land.

Im Anschluss an die Urteilsverkündung wurden Fragen aus dem Auditorium beantwortet. Ein Beitrag blieb mir dabei besonders im Gedächtnis: Wenn uns Konzerne wie VW was die Abgaswerte ihrer Autos angeht betrügen und belügen, geht ein Aufschrei um die ganze Welt und ein Gerichtsverfahren jagt das nächste. Warum wird dieses Thema von der Presse so ausgeschlachtet, während sich zu den Vorwürfen gegen Monsanto nur wenige Randnotizen finden? Was stimmt nicht in unserer Gesellschaft, dass uns unsere Autos wichtiger sind als unser täglich Brot?


Mönchengladbach/Meerbusch, 9. Dezember 2016

Büro-Umzug

lehmann natur GmbH sitzt seit dem 09.12.2016 in Meerbusch Osterath auf der Otto-Hahn-Straße 10.


Den Haag, 14. – 16. Oktober 2016 

Bericht International Monsanto Tribunal

Am Wochenende vom 14. – 16. Oktober 2016 fand in Den Haag das Internationale Monsanto Tribunal statt. Monsanto wurde in dem Tribunal exemplarisch für alle Großkonzerne, deren Geschäftsfeld die industrielle Landwirtschaft unter Verbreitung von Pestiziden, Herbiziden und genmanipuliertem Saatgut ist, angeklagt.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Gefährdung der menschlichen und tierischen Gesundheit, Vergiftung von Pflanzen, Böden und Grundwasser, Reduzierung der Biodiversität, Bedrohung der Lebensgrundlage tausender Bauern weltweit und systematische Verschleierung der negativen Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten.

Das Tribunal hat weltweit Aufmerksamkeit auf die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden der industriellen Landwirtschaft und ihrer „Global Player“ gelenkt. Damit hat es bereits einen wichtigen Zweck erfüllt. Doch die Veranstalter haben sich ein noch viel weitreichenderes Ziel gesetzt: eine Reform des internationalen Rechts, wodurch Firmen wie Monsanto wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Ökozids“ künftig rechtlich bindend verurteilt werden können. Die sechs international renommierten Richter, die an zwei Tagen insgesamt 30 Zeugen und Experten zu den Anklagepunkten befragten, werden in den kommenden Monaten nach eingehender Prüfung und Beratung eine rechtliche Empfehlung aussprechen. Diese werden sie an Monsanto selbst, aber auch an die Vereinten Nationen richten.

Gesponsert wird das Tribunal unter anderem von der Bio-Markt-Kooperative „biocoop“ aus Frankreich und lehmann natur. Wir möchten damit Bauern weltweit dazu ermutigen, sich gegen Firmen wie Monsanto zur Wehr zu setzen. Die industrielle Landwirtschaft mit ihren verheerenden Folgen für Mensch, Tier und Umwelt ist ein Auslaufmodell. Genmanipuliertes Saatgut und der massive Einsatz von Umweltgiften in der konventionellen Landwirtschaft sind nicht nur unzureichend auf ihre gesundheitsschädigende Wirkung untersucht, sondern bedrohen die Ernährungssouveränität ganzer Nationen.

Anstatt die Natur zu manipulieren und zu bekämpfen, wollen wir sie respektieren, von ihr lernen, mit ihr zusammenarbeiten. In diesem Sinne gilt unser Engagement als Erzeuger und Großhändler insbesondere der Permakultur, der aus unserer Sicht nachhaltigsten Form der biologischen Landwirtschaft. Wir laden alle Bauern weltweit dazu ein, dieses Landwirtschaftsmodell kennenzulernen und mit uns gemeinsam voranzutreiben.